Obwohl gerade in ländlichen Gebieten eher selten Pressekonferenzen stattfinden, hatte ich vergangene Woche Glück: Über einen Presseverteiler, in dem meine Mailadresse allem Anschein nach noch hinterlegt war, wurde ich über eine Pressekonferenz der Europäischen Wochen (Passauer Festspiele) informiert. Da ich dort aber nicht persönlich anwesend war, handelt die Reflexion von einer anderen Veranstaltung.
Besagte Pressekonferenz war die erste, an der ich teilgenommen habe und fand bereits vor einigen Jahren statt. An das Thema kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Allerdings weiß ich noch sehr genau, dass es sich um eine Parteiveranstaltung handelte. Vor der Konferenz fand eine Akkreditierung der Medienvertreter statt. Da ich dort als Praktikantin oder als freiberufliche Mitarbeiterin teilnahm (leider kann ich mich nicht mehr erinnern), konnte ich keinen Presseausweis vorweisen. Mein Chef hatte mir darüber hinaus auch kein Schreiben mitgegeben, das mich als Mitarbeiter seines Magazins auswies. Er hatte mich stattdessen darauf angesetzt, mich über einen Seiteneingang ins Gebäude zu schleichen, sollte mir der Zutritt verwehrt werden. Diesen beschrieb er mir sehr genau und fertigte sogar eine Zeichnung mit einem ungefähren Lageplan des Veranstaltungsortes an.
Wie zu erwarten war, wollte man mich zunächst nicht teilnehmen lassen, woraufhin ich mich in Gedanken bereits auf das Veranstaltungsgelände schleichen sah. Nach einem längeren Gespräch über meinen Studiengang und das Ressort, für das ich schreiben wollte, wurde mir der Zutritt zur Konferenz dann doch gewährt. Dies geschah allerdings nur aufgrund der Gutmütigkeit des zuständigen Mitarbeiters. Als ich bereits ein Pressearmband und ein Namensschild erhalten hatte und darüber hinaus auch noch mein Name auf einem zusätzlichen Dokument notiert worden war, um auf Nummer sicher zu gehen, durfte ich schließlich teilnehmen. Nachdem diese Prozedur abgeschlossen war, entdeckte mich ein befreundeter Journalist einer lokalen Tageszeitung, der mir von Weitem zuwinkte. Als die für die Akkreditierung zuständigen Mitarbeiter dies bemerkten, wurde auch mein Bekannter zu meinen Personalien und meiner derzeitigen Arbeits- beziehungsweise Praktikumsstelle befragt. Nach dessen Aussage waren sie einigermaßen beruhigt und ich durfte nun endlich zu den anderen Medienvertretern in den Raum, in dem die Pressekonferenz stattfinden sollte.
Dort herrschte in der einen Raumhälfte konzentriertes Schweigen, während die Journalisten ihr Foto- und Videoequipment vorbereiteten und ihre Notebooks auspackten. Auf der anderen Seite des Raums standen hingegen einige Grüppchen zusammen und unterhielten sich angeregt. Ich kann mich noch erinnern, dass ich mir mit meinem Pressearmband enorm wichtig vorkam. Was ich als Praktikantin oder freie Mitarbeiterin logischerweise nicht war, aber da die meisten anderen Teilnehmer das nicht wussten, fühlte ich mich großartig in meiner Rolle als Journalistin. Da einige weitere Bekannte an der Veranstaltung teilnahmen und neben diesen noch ein Platz frei war, setzte ich mich mit meinem Laptop neben sie. Auf dem Platz lagen bereits ein Block, ein Stift, ein USB-Stick sowie eine Pressemappe bereit. Darüber hinaus konnte auf Wasser, Limonaden und zu meiner Belustig Bier zugegriffen werden.
Zu Beginn der Pressekonferenz richtete zunächst der PR-Mitarbeiter der Partei ein paar Worte an die teilnehmenden Medienvertreter, was unter Murmeln zur Kenntnis genommen wurde. Nachdem die einführenden Worte abgeschlossen waren, hörte man allerdings nur noch das Klappern der Tastaturen. An das Thema der Konferenz kann ich mich zwar nicht mehr erinnern, aber an die Zeit bis zum Beginn dafür umso besser. Dies ist mir auch nach rund sechs Jahren immer noch lebhaft im Gedächtnis, da mich vor allem die Aussicht auf ein Einschleichen in die Veranstaltung äußerst aufgewühlt hatte.